Mittwoch, 9. August 2017

[Rezension] Herzensräuber



Tobias Buchantiquariat läuft mehr als schleppend. Dass seine Kunden dann auch noch eher tauschen, als kaufen wollen, ist dabei noch weniger hilfreich.

Bei einem Urlaub begegnet Tobias einer Bande Straßenhunde. Einer von ihnen, ein ehemaliger Posthund im Ort, scheint sich mit Tobias wortlos zu verstehen. So adoptiert er den kleinen und nimmt "Zola" mit zu sich nach Hause. Nach einer unerwarteten Wendung stehen Tobias und Zola nun nicht nur vor einem neuen Leben, sondern auch einer großen Herausforderung.
Als Zola sich als unglaublich geschickter Bücherhund entpuppt und Tobias Liebesleben nun auch endlich in Schwung kommt, überschlagen sich die Ereignisse und alles steht Kopf!


Ich gestehe, dass ich sehr überrascht war, dass dieses Buch aus der Sicht eines Hundes erzählt wird. "Herzensräuber" ist das erste "dieser Art", das ich gelesen habe.
Nach anfänglicher Skepsis wurde ich aber schnell überzeugt. Die Geschichte ist wunderschön geschrieben. Mit dem Schreibstil könnte die Autorin selbst aus der Sicht eines Besens erzählen und es wäre immer noch spannend.

Mann kann sich in jeden einzelnen Charakter leicht hineinversetzen. Der ein oder andere ist etwas oberflächlich gehalten, aber ich denke, aus der Sicht eines Hundes ist es völlig okay.
Mal aufzuzeigen, was Hunde eigentlich wirklich leisten können ist eine schöne Idee. Der "Bücherhund" war dabei für mich ganz neu, aber nicht weniger glaubhaft. Man hätte sicherlich schreiben können, dass Hunde Angst riechen, dass sie die feinen Schweißtropfen besser wahrnehmen, dass jedes angefasste Buch nach irgendeiner Körperausdunstung riecht. Aber das hat man hier nicht und das hätte auch gar nicht gepasst.
Durch das ganze Buch zieht sich eine besondere Stimmung. Der Mut eines Hundes, der seine Familie beschützen will, die Angst, das alles wieder zu verlieren und vor allem ein Hauch kindischer Naivität.

Ein wenig genervt hat mich allerdings, dass Zolas Kopf so voll ist. Voll von Gedanken über die anderen, voll von ihren Problemen. Das hat mich ein Stück weit nicht nur genervt, sondern schlichtweg überfordert. Ja, vielleicht geht es manchen Hunden wirklich so, aber für mich war es einfach zu langgezogen. Doch irgendwann hat auch das nachgelassen und ich glaube, es musste so sein. Man musste spüren, wie sich Zola entwickelt, wie das Leben um ihn herum in seine Bahnen findet, wie seine Gedanken ruhiger werden.

Die Konfliktlösungen! Jedes Problem bekam seine Lösung. Früher oder später ;) Und dabei wurde nicht mächtig auf den Putz gekloppt, es wurde, im Rahmen der Möglichkeiten eingebaut und erscheint dadurch greifbar, real. Man mag vielleicht die erste Wendung etwas protzig erachten, aber ich kenne Bücher, durch die sich das von vorne bis hinten zieht und wenn es nicht gerade Fantasy ist, nervt das schon.

Das Cover ist süß gemacht und ja, auch wenn da ein auffällig bunter Hund drauf ist, mir war trotzdem nicht klar, dass es aus seiner Perspektive geschrieben ist :P
Ich weiß nicht, wofür die Symbole in Zola stehen. Vielleicht stehen sie für Zolas großes Herz, für die vielen kleinen Herzen, die sie erobert und die am Ende ihr Leben ausmachen. Für eine Verbundenheit, die doch recht selten ist und aus der kleine Blüten entstehen, die zu einer Blume heranreifen. Ich weiß es nicht, aber das ist, was das Buch am Besten beschreibt!


Ein toller Roman, den man schnell mal zwischendurch weglesen kann. Gefühlvoll und aus einer Perspektive, die uns allen die Augen öffnet. Seht genauer hin, lernt zuzuhören und so lösen sich manche Probleme nicht erst auf Seite 200 von 201.

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